Warum manche Trainingsmethoden beim Hund einfach nicht fruchten

Vielleicht ist es dir auch schon mal so ergangen, das du etwas mit deinem Hund auf immer die gleiche Weise wieder und wieder übst, ihr dennoch nicht weiterkommt, sondern in einer Art «Trainingschleife» gefangen seid.

Beispiel Leinentraining:
Der Hund zieht, – weil dort vorne einfach alles viel spannender ist, unwillkürlich gibst du ein wenig mit der Leine nach, dein Hund geht weiter bis die Leine wieder spannt, dann ziehst du zurück, damit dein Hund auf deiner Seite etwas lockerer geht, dann zieht dein Hund nach einer Weile wieder, weil er wieder etwas riecht, unbewusst gibst du mit der Leine nach usw. und so fort…

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Ein anderes Beispiel unerwünschtes Bellen:
Du und dein Hund seid in einem Café, ein Hund mit seinem Halter geht an euch vorüber und dein Hund bellt. Schnell wird gestraft mit «Nein», «Aus», «Ruhe», um das unerwünschte Verhalten zu unterbrechen. Dann kommt der nächste Hund, dein Hund bellt wieder, du rufst wieder «Aus» und/oder wirfst eine Schepperdose usw. und so fort… Verändert sich jetzt etwas?

Ist es wirklich so einfach?
Der Hund zeigt ein Verhalten, das ich nicht wünsche, ich strafe ihn und er hört auf?..

Ist es die richtige Methode?

Warum klappt das manchmal nicht, was wir mit unserem Hund üben? Ist es die falsche Methode? Oder ist es die richtige Methode und unser Hund braucht nur längere Zeit, bis es funktioniert?

Wieso zieht der Hund vielleicht sogar noch mehr an der Leine, wenn ich ziehe oder rucke? Kann das denn wirklich sein, das es sogar schlimmer dadurch wird???

Lass uns zur Beantwortung dieser Frage nochmal kurz das Viereck des Lernens Revue passieren.


Das Viereck des Lernens besteht aus zwei Möglichkeiten der Verstärkung und zwei Möglichkeiten der Strafe für das Verhaltens des Hundes.

Viereck des Lernens

Positiv bedeutet hier einfach, dass etwas hinzukommt und negativ bedeutet, dass etwas weggenommen wird.
Bei der Verstärkung wird das Verhalten häufiger, bei der Strafe seltener gezeigt.

Da ich diese vier Felder schonmal für den Hund erklärt habe, versuche ich dir das nun nochmal an einem anschaulichen Beispiel aus der Menschenwelt zu beschreiben.

positive Verstärkung: Etwas Angenehmes kommt hinzu – das Verhalten wird häufiger gezeigt
Bspl. Menschenwelt: Nach einem harten Arbeitstag belohnen wir uns z.B. mit einem Stück Schokolade, einem heißen Bad oder einem Kinobesuch. Vielleicht bekommen wir auch einen Extra-Bonus von unserem Chef. Es hat sich gelohnt fleißig zu sein, also werden wir morgen wieder fleißig arbeiten. 😉

positive Strafe: Etwas Unangenehmes kommt hinzu – das Verhalten wird seltener gezeigt
Bspl. Menschenwelt: Der Lausbub bekommt in der Schule eins mit dem Stock auf die Finger, weil er wieder geschwatzt hat.
Da seine Finger immer noch brennen, versucht er sich zusammenzureißen und seltener mit seinem Tischnachbarn zu quasseln.

negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes hört auf – das Verhalten wird häufiger gezeigt
Bspl. Menschenwelt: Das Kind ist erleichtert, als es durch ruhiges Sitzen auf dem Zahnarztstuhl erreicht hat, dass es endlich wieder nach Hause darf.

negative Strafe: Etwas Angenehmes hört auf – das Verhalten wird seltener gezeigt
Bspl. Menschenwelt: Dem Azubi wird das Handy weggenommen, weil er sich nicht auf seine Arbeit konzentriert. In Zukunft hält er sich mit dem Whatsappen am Arbeitsplatz zurück, weil er seine Ausbildung gerne abschließen möchte.


Wie du bei den menschlichen Beispielen vielleicht schon bemerkt hast, gibt es angenehmere oder unangenehmere Methoden zu lernen – genauso ist es auch für deinen Hund.

Gerade bei der positiven Strafe ist es sinnvoll nicht nur zu hinterfragen, ob der Hund die Strafe richtig mit seinem Verhalten verknüpft (u.a. richtiges Timing, richtige Intensität) und tatsächlich lernt, sondern auch immer daran zu denken, dass er ein Alternativverhalten lernen sollte, welches ihm ermöglicht ein anderes Verhalten zu zeigen, das mit positiver Verstärkung belohnt wird.

-> So gelingt es auch, aus der unerwünschten Trainingsschleife auszusteigen und sich nicht im Schimpfen von «Neins» zu verheddern, die dem Hund sowieso zu keinem anderen Verhalten verhelfen, sondern ihm zu zeigen, was er tun soll.

Negative Verstärkung findet oft ganz unbewusst statt. Gerade beim Leinentraining tritt der Effekt des Ziehens (wie ganz oben beschrieben) oft auf. Anstatt das der Hund lernt, das er durch die pos. Strafe seltener zieht, lernt er oft über neg. Verstärkung, das der Leinenzug bei noch mehr Zug wegfällt und der Hund zieht noch intensiver und häufiger an der Leine.

Darum ist es so wichtig, manche, sich wiederholenden Muster genau zu beobachten und zu hinterfragen.

Ein Beispiel aus meiner Welt:
Ich will zu Beginn erreichen, dass mich der Hund im Führgeschirr zieht, ich nutze daher genau die gegenteilige Effekte des Leinentrainings.
Wenn ich will das mein Hund zieht, so nehme ich einfach einen Hund, der Auslauf braucht ins Führgeschirr und gehe in Richtung Hundewiese. Effekt: Der Hund zieht wie ein Ochs zur Wiese. Dort darf er frei laufen.

Wenn ich will, dass mein Hund locker an der Leine geht, dann nehme ich einen ausgepowerten Hund, der auf den Heimweg ist an die Leine und gehe an uninteressanten Betonwegen nach Hause und sage «bei Fuß».  Effekt: Der Hund geht entspannt an der Leine. Darum rate ich auf dem Hinweg eher den Hund zu managen und auf dem Heimweg zu üben. So gelingt es einfacher das Leinentraining in den Alltag einzubauen.

Aussteigen aus der Loop – gar nicht so einfach

Wichtig ist dann auch nur die Kombination zu verstärken, die komplett stimmig war. Sonst lernt der Hund vielleicht, dass er erst belohnt wird, wenn er auch das «falsche» Verhalten gezeigt hat.

Frage dich einfach mal:

Belohne ich meinen Hund auch dann,
wenn er beim Abruf noch kurz zum Baum läuft und schnüffelt und dann kommt – statt direkt herzukommen?
wenn er an der Leine nach vorne und hinten pendelt – statt kontinuierlich an meiner Seite zu gehen?
wenn er mir das Spielzeug aus der Hand nimmt und dann gespielt wird – statt zu warten, bis ich ihm das Spielzeug gebe?

Zum Glück entstehen solche Loops meist nur dann, wenn wir viele Male die gleiche Kombination immer und immer wieder verstärkt haben. Auf diese Weise können sich übrigens auch ungewünschte Verhaltensmuster bilden. Wenn du merkst, dass immer wieder eine bestimmte Verhaltenskombination auftaucht, die du nicht wünschst, dann lasse dich und deinen Hund unbedingt über mehrere Male oder längere Zeit beobachten, um herauszufinden, ob aus Versehen ein ungewünschtes Verhalten (positiv über Belohnung oder unbewusst negativ über die Wegnahme von etwas Unangenehmen) verstärkt wurde.

Hast du die Loop entdeckt, dann überlege dir die gewünschte Verhaltenskombination, die du in Zukunft verstärken willst. Unterstütze deinen Hund dabei es richtig zu machen und mache eine kleine Pause, sobald ihr in der Loop «gefangen» seid. Danach kannst du die Übung z.B. das Leinentraining nochmal besser anders beginnen.

Den Zeithorizont beachten

Nun gilt es neben der Methodik auch zu beachten, dass es natürlich einen Unterschied macht, ob ich meinem Hund gerade das Sitz beibringen möchte oder ob ich andere komplexe Dinge übe, wie bspw. das Aufräumen von Spielzeug oder noch viel schwieriger ihn vom Jagen abhalten will oder seine Emotion im Bezug auf andere Hunde verändern möchte.

Das eine ist recht simpel, das andere ist extrem komplex.
Daher werde ich dem Hund Sitz mit wenigen Wiederholungen beibringen können, während es Wochen dauern kann, bis mein Hund sein Spielzeug aufräumt und Monate dauern kann, bis ich den Jagdtrieb kontrollieren oder die Emotion hinsichtlich anderer Hunde ändern kann.

Bei manchen Trainingsthemen heißt es daher dranbleiben, üben, wiederholen und geduldig bleiben.
Es hat auch immer Sinn sich beim Üben von langwierigen Trainingssequenzen beobachten zu lassen, ob wir das, was wir von der Methodik her tun auch richtig umsetzen.

– Du glaubst gar nicht wie viele unbewusste Führhilfen ich bspw. den Blindenführhunden gebe, dann lasse ich mich beobachten, bekomme Feedback à la «He, Eva, was machst’n du da eigentlich die ganze Zeit mit deinem Arm?! Lass den doch unten!» 😀 und dann kann ich mich verbessern und dem Hund deutlichere Signale senden oder es vielleicht auch unterlassen bestimmte Signale zu senden, die ich gar nicht senden will.